Exkursion durch die Zeit in das Jahr 1940 – Zu Besuch im Murnau Filmtheater

Wir sollten die Geschichte nicht ignorieren, weil wir meinen, dass sie sich nicht wiederholen kann. Wir sollten aus ihr lernen, damit sie sich nicht wiederholt.

Am 01.11.2021 und 02.11.2021 begaben sich die Geschichtskurse der Q3 im Murnau Filmtheater auf eine Reise durch die Zeit in das Jahr 1940.

In dem zuerst geführten Aufklärungsgespräch beschrieb Medienwissenschaftler Michael Kleinschmidt den historischen Kontext des 2.Weltkrieges und des Nationalsozialismus in Deutschland. Sowohl während der Einleitung als auch im späteren Verlauf behielt und betonte er stets eine sprachliche Distanz zu angesprochenen Ideologien. Er führte mit originalen Zitaten des Reichspropagandaleiters Joseph Goebbels die Arten und gezielte Wirkung der NS-Propaganda an und bereitete uns so auf den Vorbehaltsfilm „Jud Süß“ vor. Ein Unterhaltungsfilm, den im Jahr 1940 20 Millionen Menschen sahen, mit dem Ziel, die NS-Ideologie zu verbreiten.

Wie wirkt ein solcher Film auf Menschen heute? Verliert er durch unser geschichtliches Wissen an Macht?

Um diese Fragen beantworten zu können, wagten wir das Experiment und schauten uns diesen originalen Film aus der NS-Zeit selbst an.

Aufgeklärt über direkte und indirekte, „unsichtbare“ Propaganda ließen wir den Film auf uns wirken. Es folgte eine erdrückende Stille. Nach einer kurzen Pause und Verarbeitungszeit „entpuzzelten“ wir gemeinsam mit und geleitet durch Herrn Kleinschmidt das geschickte Vorgehen des Regisseurs und dessen Intentionen.

Akribisch analysierten wir mit ihm verschiedene Filmelemente, akustische Montagen, deckten historische Lügen auf und reflektierten die Wirkung des Films auf uns heute. All dies diente der „Entgiftung“, da mit diesem Film dem Zuschauer eine grausame Ideologie vorgehalten und ins Unterbewusstsein eingeflößt wird. Es stellte sich heraus, dass die kleinen Tricks des Regisseurs sehr effektiv waren und im Unterbewusstsein eines doch so aufgeklärten Publikums wirklich seine Wirkung zeigten. Es war erschreckend, wie man während des Schauens leicht den Bezug zur Realität verlor und in das Geschehen hineingezogen wurde. Bestimmte Figuren des Films wurden einem sympathisch und andere wiederum unsympathisch. Es war jedoch auch sehr lehrreich, denn uns wurde an uns selbst gezeigt, wie man damals aktiv Menschen manipuliert hat und wie leicht dies mit den richtigen Mitteln heute auch geschehen kann. Es war sehr interessant zu beobachten, wie unterschiedlich der gezeigte Vorbehaltsfilm auf die Schüler und Schülerinnen gewirkt hat. Schock, Ekel, Verwunderung, Faszination. Während dieses dritten Teils der Analyse und Kritik ließ Herr Kleinschmidt keine Frage unbeantwortet und veranstaltete selbst Umfragen über beispielsweise den Umgang mit einem solchen deutschen Erbe. Auch nach der eigentlichen Veranstaltung blieb einem das Besprochene und Gesehene noch im Kopf und drehte dort seine Runden. Die Veranstaltung hat erneut verdeutlicht, wie viel man aus der Geschichte lernen kann und sollte, um die Zukunft zu sichern.

Ich bedanke mich im Namen des gesamten Jahrgangs bei der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und dem Murnau Filmtheater für solch eine einmalige und beeindruckende Möglichkeit und auch bei Herrn Kleinschmidt für so eine interessante und kompetente Führung durch die Geschichte und Psyche des Menschen. Ein besonderer Dank gilt auch Frau Schilling, die in Absprache mit der Schule diese außergewöhnliche Exkursion ermöglicht hat.

(Ayla Duman, Q3 LK-Geschichte)

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