I can’t breathe – George Floyd

Wir alle haben es gesehen. Das Video. Oder zumindest davon gehört. Dieses schreckliche Video aus den USA, welches sich wie ein Lauffeuer in der Welt verbreitete und eine Welle des Entsetzens auslöste, gefolgt von Protesten und Mitleidsbekundungen. Doch was ist passiert? Der afroamerikanische George Floyd wurde von einem weißen Polizisten getötet. Dieser drückte dem gefesselten Mann minutenlang sein Knie in den Hals. Obwohl George Floyd wiederholt sagte, dass er nicht atmen könne („I can’t breathe“), nahm der Polizist sein Knie nicht vom Hals des Gefesselten. Nach einigen Minuten verlor dieser das Bewusstsein und verstarb wenig später im Krankenhaus. Die drei anderen Polizisten sahen zu und griffen dennoch nicht ein, viel mehr hielten sie Passanten davon ab, George Floyd zur Hilfe zu eilen.

Dies ist ein erneuter Fall von rassistisch motivierter Polizeigewalt afroamerikanischen Männern gegenüber in den USA. Leider ist dieses rassistische Gedankengut auch über ein halbes Jahrhundert nach der offiziellen Abschaffung der Rassentrennung durch den Civil RIghts Act im Jahr 1964 in den Vereinigten Staaten so präsent wie eh und je. Dieses schockierende Video, dass uns beim Ansehen Tränen in die Augen getrieben hat ob der Ungerechtigkeit, die diesem Mann widerfährt, ist, so erschreckend es auch sein mag, von extremer Wichtigkeit. Auch wenn es schlimm ist, einen sterbenden Menschen zu filmen, so war es doch wichtig, dieses Verbrechen aufzuzeichnen. Jetzt kann niemand mehr wegschauen. Jetzt kann niemand dieses Problem, welches so viel größer ist und so viel tiefer verwurzelt ist als viele es wahr haben wollen, mehr leugnen. Diese Tat kann, im Gegensatz zu vielen anderen ähnlichen Vorfällen in den letzten Jahren, nicht als Notwehr kleingeredet werden. George Floyd hat den Polizisten nicht bedroht, er hat nicht versucht zu fliehen. Was wir auf diesem Video sehen, ist Mord und alle vier sogenannten „Gesetzeshüter“ müssen dafür bestraft werden.

Die Aufmerksamkeit, die dieser schreckliche Vorfall erzeugt, müssen wir nutzen. Obwohl die USA ein sehr bekanntes und medial präsentes Land ist, ist es doch sehr weit weg von uns. Man könnte annehmen, dass Rassismus und damit verbundene Gewalt, ob körperlich oder psychisch, hier in Deutschland kein Problem sind, so etwas gäbe es ja nur in den USA. Da, wo es die meisten öffentlich bekannten Todesfälle gibt. Es ist unglaublich wichtig, diesen Trugschluss aufzuräumen. Gibt es in Deutschland so viele rassistisch motivierte Straftaten, ja sogar Polizeigewalt wie in Amerika? Nein. Was wir in Amerika sehen ist schlimm, die oberste Stufe. Hier in Deutschland haben ebenfalls viele Menschen mit rassistischen Angriffen zu kämpfen. Meist nur verbal, doch diese tun nicht minder weh. Auch Schüler an unserer Schule sind in ihrem Alltag zum Teil mehrmals pro Woche, manchmal sogar täglich, rassistischen Attacken ausgesetzt. Oft sind sie von Mitschülern nur als Witz gemeint. Doch wo ist die Grenze? Was ist daran lustig, andere aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Akzents oder ihrer Herkunft zu schikanieren?

Wir sind uns dessen bewusst, dass wir dieses so tief in uns verwurzelte Problem nicht mit diesen Zeilen lösen können, das ist auch nicht unser Ziel. Wir wünschen uns, dass auch Du, der das hier gerade liest einmal in Dich gehst und dir folgende Fragen stellst:

  • Sind die „Witze“, die ich sage, überhaupt witzig, oder verletzen sie die Person, der ich sie erzähle?
  • Hätte ich vielleicht etwas sagen können, als ich mitbekommen habe, wie jemand aus rassistischer Motivation gedisst wurde?

Um Rassismus entgegenzutreten, muss ein Umdenken stattfinden. Dieses Umdenken beginnt bei jedem selbst, in dem er sich die eben genannten Fragen stellt und schaut, ob er etwas verändern kann. Mitnichten ist es unser Ziel, ein Klima zu erschaffen, in dem alles tabu ist und man nichts mehr sagen und über nichts mehr Witze machen darf, aber beim Thema Rassismus erreichen wir eine Grenze, die nicht überschritten werden darf. Als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ können wir in dieser Zeit nicht schweigen. Wir müssen unsere Stimme erheben, um darauf aufmerksam zu machen, dass wir dieses Problem auch in Deutschland haben und dass auch hier etwas dagegen unternommen werden muss. Artikel 1 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von den Vereinten Nationen besagt, dass alle Menschen frei und gleich sind. Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes besagt, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Wir sind alle gleich. Wir sind alle eins. Jeder Mensch ist gleich viel wert und gleich wichtig. Es gibt nur eine Rasse. Die menschliche Rasse.

Wir verurteilen und distanzieren uns von rassistischen Angriffen jeglicher Art.

Rassismus hat an unserer Schule keinen Platz!

 

AG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“

(Yannis Ward, Nazlican Erkaya, Carlotta Okulla, Finia Loeb, Anh Bui Quang)

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