Ein bewegender Einblick in die Geschichte: Ron Segal liest aus „Jeder Tag wie heute“.
Am Montag, dem 19. Januar 2026, hatten wir das große Glück, den israelischen Filmemacher und Autor Ron Segal an der MNS begrüßen zu dürfen, der aus seinem Debütroman „Jeder Tag wie heute“ den Schülerinnen und Schülern der Einführungsphase sowie dem Leistungskurs Geschichte und weiteren Interessierten dernQ1 einige eindrucksvolle Passagen präsentierte. Die Veranstaltung bot einen tiefgründigen Einblick in die Komplexität von Identität und dem Nachhall vom historischen Trauma und unterstrich die Relevanz von Erinnerungskultur an die Zeit des Nationalsozialismus.
Segal begann die Lesung mit einer persönlichen Note, die den Kern seines Romans berührt: die Geschichte seiner Familie. Seine Urgroßmutter stammte aus Berlin, doch seine Oma musste während der NS-Zeit im Alter von nur sechzehn Jahren nach Israel fliehen. Diese Wurzeln, die sowohl in Deutschland als auch in Israel verankert sind, bilden das Fundament seines Buches.
Die Entstehung seines Romans war ein intensiver Prozess. Segal berichtete von anderthalb Jahren akribischer Recherche, die es ihm ermöglichte, Elemente der tatsächlichen Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden in die fiktive Erzählung einfließen zu lassen.
Im Zentrum des Romans steht die Figur Adam Schumacher, die an Demenz erkrankt ist. Im Buch versucht Adam seine Erinnerungen niederzuschreiben, um seine geliebte Frau, Bella, nicht zu vergessen. Das Zeugnis, das dabei entsteht, wirke laut Segal wie eine „emotionale Wahrheit“, die über eine rein faktische Darstellung hinausgeht.
Die erste Passage des Romans las der Autor zuerst auf Hebräisch vor, was besonders eindrücklich war, da dadurch besonders klar die Emotionen in der Geschichte deutlich wurden.
Im anschließenden Gespräch mit Ron Segal beantwortete er geduldig alle unsere Fragen, die sich sowohl auf seinen Roman als auch auf die gegenwärtige politische Lage in Israel und Deutschland bezogen. Auf die Frage, wie er auf den Inhalt des Romans kam, erklärte er, dass die Idee der Demenz durch eine Verwechslung in seiner Recherche ausgelöst wurde. Denn während seiner Nachforschungen erfuhr er von zwei Liebesgeschichten, die sich beide am Befreiungstag zutrugen, und brachte sie sofort in Verbindung, obwohl die Geschichten nichts miteinander zu tun hatten.
Sein Buch sei ein Teil der „Post-Holocaust-Literatur“ und problematisiere die Frage, wie wir – als dritte Generation – uns heute noch erinnern. Die Bedeutung der Erinnerungskultur sowie der Zivilcourage wurden durch einen persönlichen Einblick in Segals Leben deutlich, indem er von einem antisemitischen Erlebnis in Berlin berichtete.
Aus „Jeder Tag wie heute“ wird zudem ein Animationsfilm gedreht, weswegen er uns zum Schluss noch das Concept Art und den Trailer zeigte.
Besonders der Trailer hat uns beeindruckt. Die Musik und die Farben des Films schufen eine ganz neue emotionale Atmosphäre, die uns noch lange erhalten bleiben wird.
Wir möchten uns an dieser Stelle von Herzen bei Ron Segal für die Lesung aus seinem eindrucksvollen Roman sowie für seine Offenheit bei der geduldigen Beantwortung unserer Fragen bedanken!
(Johanna Uhlenberg)




