Am Montag, den 17.08.2026, besuchten Schülerinnen und Schüler der Q3 unserer Schule das Murnau-Filmtheater, um den nationalsozialistischen Propagandafilm „Jud Süß“ aus dem Jahr 1940 von Veit Harlan zu sehen. Begleitet wurde die Vorführung durch eine Einführung in die damalige Zeit und eine anschließende Nachbesprechung. Dadurch hatten wir die Möglichkeit, den Film nicht nur anzusehen, sondern uns auch kritisch mit seiner propagandistischen Wirkung auseinanderzusetzen.
Zu Beginn erhielten wir einen Einblick in die Bedeutung des Films für die nationalsozialistische Propaganda. Dabei wurde erklärt, dass Kinofilme für die Nationalsozialisten nicht nur der Unterhaltung dienten, sondern auch als eine Art „Erziehungsmittel“ eingesetzt wurden. Sie sollten die Bevölkerung beeinflussen und sie im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie prägen. Insgesamt entstanden während der NS-Zeit rund 1.200 Filme, von denen viele politische oder ideologische Botschaften vermittelten. Wie groß die Reichweite solcher Filme sein konnte, zeigt auch „Jud Süß“, den circa 20 Millionen Menschen damals im Kino sahen.
Anschließend schauten auch wir den Film „Jud Süß“. Dabei wurde deutlich, wie stark jüdische Figuren durch antisemitische Klischees geprägt sind. Juden wurden beispielsweise als fremdartig oder schmutzig dargestellt und insgesamt als eine einheitliche Gruppe gezeigt. Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass fast alle jüdischen Sprechrollen von demselben Schauspieler, Werner Krauß, gespielt wurden. Dadurch entsteht ein sehr einseitiges und bewusst verzerrtes Bild jüdischer Menschen.
Gleichzeitig ist „Jud Süß“ nicht nur als direkte Propaganda aufgebaut, sondern weist auch Merkmale eines Melodramas auf. Der Film basiert zwar auf der Geschichte des jüdischen Finanzberaters Joseph Süß Oppenheimer und den Ereignissen im Württemberg des 18. Jahrhunderts, verfälscht diese jedoch stark und überträgt antisemitische Vorstellungen der NS-Zeit auf die damalige Geschichte. Außerdem wird durch die Darstellung einzelner Figuren und ihrer Schicksale versucht, beim Zuschauer Mitgefühl zu wecken. So werden die historische Verfälschung und die emotionale Wirkung des Films miteinander verbunden, um die antisemitische Botschaft für die Zuschauer überzeugender erscheinen zu lassen.
Im Anschluss an die Vorführung fand eine ausführliche Nachbesprechung statt. Dabei konnten wir unsere Eindrücke und Fragen äußern und gemeinsam untersuchen, mit welchen Mitteln der Film seine Wirkung erzielt. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Idee der „unsichtbaren Propaganda“ nach Joseph Goebbels. Die Beeinflussung sollte möglichst unauffällig erfolgen, sodass die Zuschauer die vermittelten Vorstellungen nicht direkt als Propaganda wahrnahmen. Besonders deutlich wurde dabei auf scheinbar nebensächliche Bilder, Musik oder die Darstellung einzelner Figuren geachtet, die dazu beitragen, bestimmte Vorstellungen und Gefühle beim Publikum hervorzurufen.
Insgesamt war die Veranstaltung für uns eine interessante Ergänzung zum Unterricht. Durch den dreiteiligen Aufbau konnten wir uns intensiv mit der nationalsozialistischen Propaganda auseinandersetzen und gleichzeitig lernen, mediale Darstellungen kritischer zu hinterfragen. Gerade im Hinblick auf heutige Formen von Medien und politischer Beeinflussung war die Veranstaltung für uns besonders lehrreich.
An dieser Stelle möchten wir uns nochmals bei den Veranstaltern des Murnau-Filmtheaters sowie bei Dr. Michael Kleinschmidt für die anschauliche und schülernahe Begleitung der Veranstaltung bedanken!
(Lara Kleber)



