Szenische Lesung der Eichmannprotokolle

Am Mittwoch, dem 08. Mai, fand in der Martin-Niemöller-Schule eine szenische Lesung der Eichmannprotokolle mit dem Titel „Arzt hätt` ich nicht werden dürfen“ statt. Die Lesung wurde von den Hannoverschen Kammerspielen für die gesamte Q2 der Oberstufe ausgerichtet.

Die Eichmannprotokolle dokumentieren die Vorbereitung des Gerichtsprozesses in Israel gegen Adolf Eichmann, SS-Obersturmbannführer und Verantwortlicher für die Verfolgung und Deportation der Juden.

“Sonderausgabe!” – Schlagzeilen aus den 1930er Jahren schallten durch den Raum. Das Dritte Reich ist zentraler Bestandteil des Geschichtsunterrichts und begegnet uns auch außerhalb der Schule in politischen und gesellschaftlichen Debatten. Dabei bleibt die Auseinandersetzung oft nur theoretisch.

Die Lesung machte die Gräueltaten der NS-Diktatur greifbarer und schaffte ein klares Bild der Perfidität Eichmanns. Neben umfangreichem Hintergrundwissen zum Versteck Eichmanns, seiner Verfolgung durch Fritz Bauer und dem Widerstand des deutschen Regierungsstabes gegen das Vorgehen zur Ergreifung Eichmanns, schaffte die Lesung es auch, einen emotionalen Zugang zur Thematik zu bieten. Die Widersprüchlichkeit von Eichmanns Äußerungen sowie anderer Täter des Nationalsozialismus gab den Zuschauern ein Gefühl dafür, was die NS-Diktatur wirklich war und wie die Eigenwahrnehmung der Nazi-Funktionäre unserem heutigen Bild entgegensteht.

Doch nicht nur Historisches wurde thematisiert. Sowohl persönliche Erzählungen aus der Kindheit der Darsteller, als auch Fragen zum Israelkonflikt oder der Aktualität des Antisemitismus gestalteten die Thematik gegenwartsbezogen.

Alle Schülerinnen und Schüler besitzen durch den Geschichtsunterricht oder Wissen aus dem Alltag einen sehr unterschiedlichen Wissensumfang zur NS-Zeit. Jedoch konnte jeder Schüler etwas für sich mitnehmen: Ein Gefühl oder einen Gedanken.

Letztendlich ging jeder unterschiedlich berührt aus der Lesung. So war der eine interessiert und fasziniert von der Thematik, der andere bedrückt und nachdenklich.

Jeder konnte sich auf seine Weise einen Zugang zur NS-Zeit verschaffen. Ganz nah mit dabei sein. Nicht eine Buchseite lesen, sondern erleben und einen Einblick in die NS-Zeit erhalten.

 

(Jacob Krüger)

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