Theaterhighlight “Über Dodekaeder”

Am 28. Februar und 01. März brannte in der Martin-Niemöller-Schule ein wenig länger das Licht, denn drei Schüler der Oberstufe hatten zu einem Theaterabend geladen. „Über Dodekaeder“, so heißt das Stück, dass Paul Schletter, Sebastian Faber und Julian Dal gemeinsam auf die Bühne zauberten, und dass buchstäblich aus dem Nichts: Denn an diesen Aufführungen war alles – von der Idee und dem Stück, das Sebastian Faber selbst geschrieben hatte, über die Inszenierung und schauspielerische Gestaltung bis zur Technik, dem Bühnenbild und der Gestaltung der Flyer – selbst gemacht und aus eigener Initiative heraus entstanden.

In dem Stück treffen zwei junge Männer zu später Stunde in einem Theaterbistro aufeinander und diskutieren über den Sinn und Unsinn des, zuvor betrachteten, avantgardistischen Stücks „Dodekaeder“ im Speziellen, und zunehmend auch über Theater im Allgemeinen. Während einer der beiden in seinem intellektuellen Selbstverständnis von der Sinnhaftigkeit, ja der Genialität des Stückes überzeugt ist, kann der andere dem Stück nichts als Verachtung entgegenbringen.                                                                                                                            „Über Dodekaeder“ schafft es dabei ohne einen einzigen Ortswechsel, ja ohne viel Dynamik überhaupt, die Zuschauer nur durch seine spannungsvollen Dialoge mitzureißen. Präzise werden sowohl sprachlich als auch schauspielerisch zwei Figuren gezeichnet, die trotz ihrer überzogenen Typhaftigkeit nicht an Glaubwürdigkeit verlieren. Mit viel Humor, ebenso viel Tiefgang und einer gesunden Portion Selbstironie erzählt das Stück von einem Konflikt, der uns allen bekannt und doch oft nicht bewusst ist. Von der Sinnhaftigkeit unsinniger Sätze, von verschlüsselten Metaebenen, den Fachausdrücken des modernen Theaters und der allumfassenden Relevanz Brechts – das Kartenhaus aus intellektueller Überlegenheit, das der eine der beiden Männer entwirft, wird mit jeder Szene – Verzeihung, mit jeder elliptischen Perikope – höher gebaut, bis es schließlich mit einem Knall in sich zusammenfällt und seine offensichtliche Hülsenhaftigkeit offenbart.

Und so waren es nicht nur Abende des Staunens und der prächtigen Unterhaltung, sondern auch Abende, die zum Nachdenken anregen und den Spiegel vorhalten: Vor eine selbstherrliche Überheblichkeit, vor ein kopfloses Anwenden von vorgegebenen Maßstäben, vor das eigene Verhalten und auch vor der Schule und unseren Einstellungen dazu. Insgesamt zeigte der begeisterte Applaus und die lobende Rückmeldung vieler Zuschauer am Ende, dass dieses Stück ein voller Erfolg war und alle, die es gesehen haben, sicher noch eine Weile von diesem Theaterabend zehren werden.

Und wer weiß, vielleicht fühlen sich andere Schülerinnen und Schüler inspiriert, und wir dürfen an unserer Schule in Zukunft mehr solcher Abende genießen.

 

(Anne Liebau)

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