„Wehe dem, der allein ist!“ – Lesung mit Peter Neumaier

„Wehe dem, der allein ist!“ – Lesung mit Peter Neumaier

Peter Neumaier besuchte unseren LK Geschichte am 28. Mai 2026 im Unterricht. Er selbst war lange Zeit Lehrer an der Martin-Niemoeller-Schule und schrieb zwei Bücher. In den Büchern geht es um das Schicksal zweier verfolgter Vorfahren. Seinen „halbjüdischen“ Onkel in „Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir weiterleben werden!” und seinen jüdischen Großvater in „Wehe dem, der allein ist!“.

Über das Schicksal des Letzteren, namentlich Ernst Seidenberger, berichtete er uns.

Sein Großvater war als Münchner Rechtsanwalt in seiner eigenen Kanzlei tätig. Anfangs war er noch nicht von der Entrechtung betroffen, da er als Kriegsfreiwilliger im 1.Weltkrieg diente und sich aufgrund seiner Heirat mit einer nichtjüdischen Frau in einer „Mischehe“ befand. Nach und nach wurden jedoch seine Freiheiten immer weiter eingeschränkt. Erst verlor er seine Zulassung als Rechtsanwalt und musste seine Kanzlei schließen. Er konnte nur noch als Konsulent für jüdische Bürger tätig sein. 1942 kam dann noch die Zwangsarbeit im Rüstungsbetrieb zu seiner Tätigkeit als Konsulent hinzu. Die Deportation nach Theresienstadt fand 1945 statt, wo er das Zitat „Wehe dem, der allein ist!“ schrieb. Er überlebte die Ereignisse und verstarb 1957.

Ein für mich wichtiger Aspekt, vor dem Herr Neumaier gewarnt hat, da ohne diesen jene Straftaten vermutlich nicht so einfach stattgefunden hätten, ist die Dehumanisierung. Auch heute noch sollten wir sensibel gegenüber der Dehumanisierung z.B. in politischen Debatten sein. Denn sobald eine Gleichgültigkeit über das Schicksal der betroffenen Menschen herrscht, sind Straftaten ihnen gegenüber nicht weit.

Herr Neumaier hat einen sehr interessanten Vortrag gehalten. Im Unterricht haben wir zuvor die schrittweise Entrechtung, Verfolgung und Deportation der Juden bereits behandelt. Das Schicksal seines Großvaters war sehr spannend, da es das bereits im Unterricht erlernte Wissen erweitert und durch das Fallbeispiel greifbarer gemacht hat. Man hat ein viel besseres Gefühl für die damalige Zeit bekommen, etwas weg von den teils nüchternen Büchern – besonders die Verlorenheit der damals Verfolgten durch die fortschreitende Isolierung, welche zwar vom Staat initiiert, aber auch von den Bürger getragen wurde.

Für diesen tollen Vortrag wollen wir uns ganz herzlich bei Herrn Neumaier bedanken!

(Moritz Herrmann)

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