„Widerstand gegen Nazi-Verbrechen: Wie Diplomaten Juden retteten“

Wer glaubt, Geschichtsunterricht bestünde lediglich aus dem Lesen von Quellen und Historikertexten, irrt. So haben wir, der Geschichts-LK der Q2, am Freitag, den 11. Juni, an einem Workshop zum Thema „Widerstand gegen Nazi-Verbrechen: Wie Diplomaten Juden retteten“ via Zoom teilgenommen.

Mit den Schullaptops ausgerüstet begaben wir uns auf die Spur einer Gruppe Botschafter der polnischen Gesandtschaft in Bern, welche im Zweiten Weltkrieg Juden lateinamerikanische Pässe ausgestellt hatten, um diese vor der Deportation zu bewahren. Eingeleitet wurde der vom Pilecki-Institut in Berlin angebotene Workshop mit einem Gedicht des polnischen Dichters Wladyslaw Szlengel, der die damaligen Geschehnisse mit eigenen Eindrücken lebensnah beschreibt. In Kleingruppen aufgeteilt, lernten wir interaktiv, Daten der damaligen Passbesitzer zu recherchieren und diese in einen digitalen Pass einzutragen. So erhielten wir einen detaillierten Überblick über die bewegenden Schicksale einzelner und konnten als Fazit Statistiken der Überlebenden geordnet nach Herkunftsland erstellen. Um einen Eindruck über die Ausstellung der Pässe zu bekommen, unterstützten Interviews mit Zeitzeugen durch persönliche Erzählungen individueller Erlebnisse die Schilderungen des Workshopteams.

Wie wir erfuhren, sind die Pässe von der polnischen Exilregierung in London beauftragt und durch die polnische Gesandtschaft in Bern in Kooperation mit Vertretern lateinamerikanischer Botschaften ausgestellt worden. Final wurden sie durch jüdische Organisationen an von der Deportation bedrohten Juden verteilt. Dies bedeutete jedoch nicht, dass ihre Besitzer als lateinamerikanische Bürger zu verstehen waren. Das Passdokument als solches war zwar echt, jedoch waren die ausgestellten Pässe mit ihren Eintragungen gefälscht. Dies spielte insofern keine tragende Rolle, da sie nicht die Ausreise in eines der angegebenen Länder ermöglichen, sondern ihren Besitzern Immunität verleihen sollten. Immunität, die sich durch die Neutralität lateinamerikanischer Staaten wie Honduras oder Paraguay im Zweiten Weltkrieg begründete.

Wir bedanken uns herzlich beim Pilecki-Institut Berlin für den spannenden und abwechslungsreichen Workshop sowie bei Frau Schilling, die uns die Teilnahme durch ihr Engagement ermöglicht hat.

(Luca Müller)

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