Kolonialgeschichte in Wiesbaden

Kolonialgeschichte in Wiesbaden

Am 30.11.2023 ging es für unseren Geschichts-LK mit Frau Schilling auf eine Exkursion. Wir waren in Wiesbaden auf den Spuren des Imperialismus unterwegs. Begleitet wurden wir von Frau Claußen.

Gestartet hat unsere Exkursion am Kurhaus, bei dem uns Frau Claußen vom Reichtum Wiesbadens Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts berichtete und uns allgemein in die Thematik einführte.

Danach ging es zum Theater. Uns wurde erzählt, dass das Theater von Kaiser Wilhelm II. in Auftrag gegeben wurde und dass in der Theaterkolonnade früher viele kleine Läden für Kolonialwaren waren. Heute sieht man nur noch die Schaufenster, doch man kann sich vorstellen, wie damals die reichen Leute dort Exportwaren, wie Pelze, Tabak oder Gehstöcke mit Elfenbeingriffen gekauft haben.

Dann ging es durch den Park am Warmen Damm. Viele Bäume und Pflanzen, die dort stehen, stammen aus der Kolonialzeit und wurden aus den Kolonien exportiert. Zur damaligen Zeit war es etwas Besonderes und ein Prestigeobjekt, wenn man eine exotische Pflanze zu Hause hatte. Danach wurde uns etwas über Edeka erzählt. Dieser Punkt interessierte uns alle besonders, denn immerhin besuchen viele den Edeka neben der Schule fast täglich. Der Edeka hieß früher noch E.d.K., was für Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler steht und entstand durch den Zusammenschluss mehrerer Kolonialwarenhändler.

Weiter ging es zur Marktkirche. Wir lernten, dass es damals christliche Missionen gab, bei welchen die Kirche versuchte, der Bevölkerung in den Kolonien den christlichen Glauben aufzuzwingen. Vor der Marktkirche wurden uns auch noch zwei alte Lieder gezeigt, welche im Gottesdienst gesungen wurden und der Normalität angehörten. Die Lieder zeigten erneut, dass sich die weißen Europäer überlegen gegenüber den Kolonien fühlten. Wir kamen auch noch ins Gespräch, wie bis heute die rassistische Sprache Einfluss auf unseren Alltag hat und dass beispielsweise unsere Großeltern noch immer Ausdrücke benutzen, die wir heute als rassistisch ansehen, ohne dass sie sich dessen bewusst sind. Darauf folgte eine kleine Stärkung und wir durften uns kurz im evangelischen Dekanat aufwärmen.

Danach ging es durch die Häfnergasse, wo uns der Standort eines alten Kolonialwarenladens von Bruno Antelmann, einer der führenden Kolonialwarenhändler Deutschlands, gezeigt wurde. Dieser ließ in seinen Geschäften Kinder aus den Kolonien, als Verkaufskräfte arbeiten. Wir redeten auch noch über die Volksschauen, welche es auch in Wiesbaden und der Umgebung gab, die aber erstmals in Schweden stattgefunden hatten.

Es ging dann zur Kaiser-Friedrich-Therme. In dieser schauten wir uns das Wandgemälde, welches einmal rundherum geht, an und konnten auch dabei entdecken, wie die schwarzen Sklavinnen, welche sich nur in der Ecke befanden, eher entblößt und nicht als Individuen dargestellt wurden. Unsere Führung endete in der Fußgängerzone.

Nachfolgend noch ein paar Rückmeldungen aus dem Kurs:

Ich fand die Exkursion sehr spannend, weil man Gebäude und Werke, denen man im Alltag begegnet, mit der fesselnden Geschichte des Imperialismus verknüpfen gelernt hat. Besonders die Quellen und die ausgezeichneten Erklärungen dazu konnten mir zu einem besseren Verständnis der damaligen Denk-, Vorgehens- und Sichtweise verhelfen. Ich schätze mich sehr glücklich, an diesem Ausflug teilgenommen haben zu können.“

„Die Geschichte des Imperialismus war mir bis zu der Exkursion noch gar nicht so gängig, vor allem nicht in der eigenen Stadt. Doch eine gut herausgearbeitete Tour von den Theaterschauläden, über die Therme bis hin zu den Gebäuden in unserer Kurstadt hat den Imperialismus neu beleuchtet und die Rückstände des Imperialismus aufgezeigt.“

„Mir hat die Exkursion im Ganzen auch sehr gut gefallen. Besonders beeindruckend fand ich jedoch die Geschichte zu den Läden beim Theater und der Wandmalerei in der Therme. Die Wandmalerei hätte ich ohne die Führung wahrscheinlich privat nie hinterfragt.“

„Ich fand die Exkursion sehr interessant! Was uns unter anderem während dieser erzählt wurde, ist, dass die Schaufenster in der Theaterkolonnade früher Geschäfte waren, wo Kolonialwaren verkauft wurden. Dies finde ich sehr interessant, da man quasi täglich daran vorbeigeht.“

Zum Abschluss noch ein großes Dankeschön an Frau Claußen, welche mit viel Wissen uns die Wiesbadener Geschichte in der Zeit des Kolonialismus nähergebracht hat!

(Denise Balzar und Carys Wörle)

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