Zeitzeugenveranstaltung mit Margot Friedländer

Am 24.1 fand in der Martin-Niemöller-Schule ein Zeitzeugengespräch über Videokonferenz statt. Hierbei erzählte Margot Friedländer, die letzten November ihren hundertsten Geburtstag feierte, ihre Geschichte als Überlebende des Holocaust beziehungsweise der Schoah. Die Teilnahme an der Videokonferenz war zwar freiwillig, dennoch entschlossen sich viele dazu, länger in der Schule zu bleiben, um diesem Ereignis beizuwohnen. Insgesamt nahmen ca.. 600 Schüler*innen von über 30 Schulen an dem Zeitzeugengespräch teil. Zunächst gab es eine Lesung von Margot Friedländer aus ihrem autobiografischen Buch „Versuche, dein Leben zu machen“, in welchem sie die Geschichte von ihrem Verstecken vor den Nazis sowie ihrer anschließenden Festnahme und Aufenthalt im Lager Theresienstadt erzählt. Der Title des Buches hat einen sehr traurigen Hintergrund, denn er bezieht sich auf den letzten Satz, den Margot Friedländers Mutter ihr hinterlassen hat, bevor sie Margots Bruder folgte, der von der Gestapo verhaftet worden war. Erst später erfährt Margot, dass ihre Mutter und ihr Bruder in Auschwitz ermordet wurden. Obwohl ihr dazu geraten wird, sich ebenfalls der Gestapo zu stellen und sie von Schuldgefühlen gegenüber ihrer Mutter und ihrem Bruder geplagt wird, entschließt sich die junge Margot dazu, in den Untergrund zu gehen. Sie hat verschiedene Unterstützer, die ihr viele Monate beim Verstecken helfen. Trotz allem wird sie schließlich doch festgenommen. In ihrem Buch beschreibt Margot Friedländer das große Leid von ihr und den anderen Gefangenen im Lager Theresienstadt, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten und nur wenig zu Essen bekamen, aber auch die Befreiung des Lagers am Ende.

Meine Klassenkameraden und ich fanden die Lesung sehr interessant, wenn auch die Geschichte traurig und entsetzend ist. Die Lesung ging insgesamt eine Stunde, was mir persönlich allerdings kürzer vorkam, da ich sehr gefesselt war. Was die Lesung zusätzlich interessant machte, war, dass Margot Friedländer immer wieder von ihr mitgebrachte Erinnerungsstücke zeigte, zum Beispiel die Bernsteinkette, die ihr von ihrer Mutter hinterlassen wurde. Margot Friedländer, die nach der Befreiung des Lagers mit ihrem Ehemann nach Amerika gegangen ist und erst nach dessen Tod nach Deutschland zurückkehrte, wandte sich nach der Lesung noch mal speziell an die jüngere Generation. Sie wolle, dass sich auch die nächsten Generationen erinnern, damit ein solches Leid nicht wiederkehrt, dies sei der Grund, warum sie zurück nach Deutschland gekehrt sei und angefangen habe, ihre Geschichte zu erzählen. Auf die Lesung von Margot Friedländer folgten verschiedene Ansprachen wie z.B. von Dr. Josef Schuster, dem Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland oder von Maram Stern, dem Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses. Zum Schluss folgte noch ein Live-Interview mit Margot Friedländer, bei dem Schüler selbst Fragen stellen durften. Margot Friedländer erzählte hierbei noch weitere interessante Details über ihre Geschichte und sprach auch über ihre Zeit in Amerika und ihre Rückkehr nach Deutschland.

Ich finde es eine Ehre, dass wir dieses Erlebnis haben durften, das wahrscheinlich für unser Leben einmalig ist, auch weil es mit fortschreitender Zeit irgendwann keine Zeitzeugen mehr geben wird. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir weiterhin den Opfern gedenken und uns auch in unserer Zeit gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung im Allgemeinen einsetzen.

(Greta Ollenik)

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